Ankommen

Namibia, Steppe

Obwohl ich schon in einigen Ländern war, fremde Kulturen kennen gelernt und mit in deren Alltag gelebt habe, bin ich immer wieder überrascht, wie unterschiedlich Lebensstile sein können. Es ist wirklich wunderschön in Namibia und ich wurde sehr lieb aufgenommen, aber alles hier ist komplett anders als mein oder generell das Leben in Deutschland. Reisen bringt einen auf ganz einfache Art und Weise dazu sein eigenes Leben und seine Lebensgewohnheiten nochmal in Frage zu stellen.

Donnerstag Morgen bin ich nach einem 10-stündigen Flug glücklich, aber etwas müde in Windhoek gelandet und musste feststellen, dass es hier morgens tatsächlich sehr kalt ist. Bei knappen 3°C lief ich in der Morgensonne über das Rollfeld, sah in der Ferne Berge aufragen, spürte ein leichtes Kribbeln vor Glück in meinem Bauch und musste mir dann sehr deutsche Kommentare über die namibische Arbeitsweise bei der Visabearbeitung anhören. Tatsächlich stand ich dann zwei Stunden in der Wartehalle bis ich den Visastempel in meinem Ausweis hatte; das Kofferband lief schon lange nicht mehr und mein Rucksack lag mit einigen wenigen anderen auf dem Boden.

In der Flughafenvorhalle wartete Friederich, der Fahrer, mit einem Schild auf mich und während der einstündigen Fahrt zur Farm unterhielten wir uns in einem Gemisch aus Englisch, Afrikaans und Deutsch. Ich erfuhr, dass Windhoek knapp 300.000 und Namibia knapp 2 Millionen Einwohner hat, dass namibische Blitzen erst bei 20 km/h zu schnell blitzen, es hier viele Flüchtlinge aus dem Norden Afrikas gibt und Menschen auf der Autobahn laufen.

Friederich fuhr mich zu der Farm der Tierärzte in der Nähe von Windhoek. Die Landschaft hier ist sehr trocken, wenig bewachsen und hügelig, sodass man immer wieder wunderschöne Ausblicke ins Tal hat und Tiere beobachten kann. Direkt auf meiner ersten Fahrt zur Farm haben wir in einer Kurve eine im Gebüsch schlafende Giraffe aufgeschreckt, die sich dann plötzlich mit ihren 7m aufrichtete und majestätisch davon lief.

Über den Tag habe ich dann nach und nach alle zwei und vierbeinigen Bewohner der Farm mit und ohne Flügel kennen gelernt und wurde sehr herzlich in eine fremde Familie aufgenommen. Direkt im und ums Haus herum wohnen zwei Erwachsene, zwei Kinder, neun Hunde, acht Katzen, vier Pfaue, zehn Tauben, zwanzig Wellensittiche, ein Kakadu und zwei Erdmännchen. Und auf dem Gelände der 20km2 großen Farm leben Zebras, Wasserböcke, Springböcke, Impalas, Leoparden, fünf Giraffen und ein Giraffenbaby. Schon eine Fahrt über die Farm beinhaltet für mich eine kleine Safari.

Aber auch ansonsten ist es hier wunderschön! Gestern Morgen habe ich nach dem Frühstück am Küchentisch gesessen, aus dem Fenster auf einen kleinen See geschaut, zwei Wasserböcke mit ihrem Jungen beobachtet und neben mir ließen sich die zwei Erdmännchen die Sonne auf den Bauch scheinen. Mir kommt das Leben hier wie ein Paradies vor. Die Kinder haben keinen Fernseher, keine Handys, tragen Verantwortung für die Tiere, turnen und toben draußen, wissen sich wirklich mit sich selbst zu beschäftigen, am Essenstisch erzählt jeder von seinem Tag und es wird sehr, sehr viel gelacht.

Da der Tierarzt gerade erst von seinem letzten Auftrag zurück gekommen ist, ist jetzt ein wenig Leerlauf und ich habe in Ruhe Zeit anzukommen und meine Umgebung kennen zu lernen. Gestern waren wir in Windhoek, um ein paar Erledigungen zu tätigen und im Vergleich zum Farmleben war es enorm stressig. Der Verkehr ist sehr chaotisch und schwer zu verstehen, die Stadt ist sehr unübersichtlich, es gibt viele Baustellen und arme Menschen. Auf der einen Seite sieht man schicke Häuser mit hohen Zäunen und auf der anderen Seite Slums und Armut. Bislang fällt es mir noch schwer, meine Eindrücke richtig zuzuordnen.

Bei unserem Besuch in der Stadt waren wir kurz in der Tierarztpraxis. Es gab ein Wartezimmer, eine Rezeption, Regale voller Futtermittel, Behandlungszimmer mit deutschen Anatomiebildern und ein kleines Labor; alles wie bei einer Tierarztpraxis in Deutschland. An ruhigen Tagen ohne Aufträge werde ich hier mitarbeiten.

Der Tierarzt arbeitet vor allem im Wildtierbereich. Er wird gerufen, wenn Tiere in Nationalparks oder auf privaten Farmen erkrankt sind oder wenn Tiere umgesiedelt werden sollen. Allerdings hat er mir erklärt, dass die Auftragslage in den letzten zwei Jahren enorm zurück gegangen ist. So waren die Tiere aufgrund der Inflation vor einigen Jahren noch deutlich mehr wert als heute, sodass Farmbesitzer sich jetzt eher dazu entscheiden, kranke Tiere zu erschießen, anstatt eine teure Behandlung zu bezahlen.

Aber es sind einige große Aufträge geplant: Dabei geht es vor allem darum, Wildtiere umzusiedeln und in andere Nationalparkt zu bringen. So sollen bis Ende September 50 Elefanten in den Kongo gebracht werden. Auf der einen Seite freue ich mich wahnsinnig darauf Elefanten zu sehen, auf der anderen Seite habe ich echt großen Respekt davor mit ihnen zu arbeiten.

Aber bis dahin habe ich ja noch ein wenig Zeit mich einzuleben und andere Tiere kennen zu lernen. Das Wochenende werde ich nun in Ruhe mit der Familie verbringen. Wir wollen ein wenig die Farm und Tiere erkunden, Luftgewehr schießen, Spiele spielen und Sonntag in den Gottesdienst fahren.

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