Elefanten-Impfung / Milzbrand

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Ehrlich gesagt, habe ich mir vor meiner Abreise nach Namibia wenig Gedanken darüber gemacht, was mich wohl erwarten würde oder was ich eigentlich erwartete. Aufgrund meiner Abschlussprüfung, Vorbereitungen und dem Abschiednehmen war die Zeit vor meinem Abflug komplett gefüllt und etwas stressig, sodass ich kaum Zeit hatte richtige Vorfreude zu entwickeln oder mir Vorstellungen über die kommende Zeit zu machen. Seitdem ich den Entschluss gefasst hatte, nach meiner Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten in eben jenem Beruf im Ausland zu arbeiten, hatte ich das Gefühl, dass sich alles irgendwie gefügt und ergeben hat. Ich hatte eine grobe Richtung gewählt und bin einfach immer weiter gegangen.

Elefantenherde, Namibia, ImpfungDen einzig wirklich großen Traum, den ich im Gepäck hatte, war Elefanten in freier Wildbahn zu begegnen. Elefanten haben mich schon immer beeindruckt. Sie sind so groß, so kraftvoll und doch so feinfühlig und sensibel. Sie sind stark genug die Erde unter ihnen erbeben zu lassen und doch federn sie auf ihren weichen Füßen geräuschlos über den staubigen Boden. Ihre Haut sieht aus, als wären sie hunderte Jahre alt, ihr Augen weise, als würden sie alle Geheimnisse dieser Welt kennen und sie strahlen in ihrem ganzen Auftreten eine unendliche Kraft aus.

In den ersten Wochen meines neuen Arbeitsalltages haben wir vor allem mit Antilopen gearbeitet; haben diese gegen Tollwut geimpft, für Umsiedlungen oder Behandlungen sediert oder Trächtigkeitsuntersuchungen durchgeführt. Natürlich sind all diese Erfahrungen neu und lehrreich für mich; aber mein Elefantentraum blieb.

Elefantenherde, Namibia, Helikopter, Impfung, MilzbrandUnd so war meine Freude unendlich groß, als unser Auftrag vor zwei Wochen endlich „Elefanten impfen“ hieß. Elefanten -aber auch Nashörner und Antilopen- werden in Namibia gegen Milzbrand geimpft. Grundsätzlich ist der Milzbranderreger weltweit zu finden, bevorzugt jedoch in warmen Klimaregionen, wie Afrika und Asien. In Deutschland tritt die Krankheit nur noch sehr selten auf; zuletzt starben 2012 einige Kühe in Niedersachsen an Milzbrand.

Elefantenherde, Reihe, Namibia, ImpfungMilzbrand ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien (genauer dem Bacillus anthracis) verursacht wird und vor allem Paarhufer, aber auch andere pflanzenfressende Tiere befällt. Die Bakterien bilden widerstandsfähige Sporen, die trotz widrigen Umweltbedingungen im Erdreich oder Gewässern mehrere Jahrzehnte überleben können.

Diese Tatsache und die hohe Virulenz sind optimale Bedingungen für die Verwendung als Biowaffe. Zuletzt machte die Infektionskrankheit 2001 negative Schlagzeilen, als kurz nach den Anschlägen auf das World Trade Center sieben Briefe mit Milzbranderregern an amerikanische Politiker verschickt wurden. 5 Menschen starben, weitere 27 infizierten sich und Tausende wurden wochenlang vorsorglich mit Antibiotikum behandelt. Aufgrund der Aufnahme der Milzbrandsporen über die Atemwege führten diese zu dem sogenannten Lungenmilzbrand. Dieser beginnt vor allem mit allgemeinen Grippesymptomen und einer Atemwegsinfektion, die schnell in akuten Lungenproblemen, blutigen Husten und Herz-Lungen-Versagen mündet. Lungenmilzbrand führt innerhalb von zwei bis drei Tagen nach Infektionsbeginn zum Tod.

Ebenso gefährlich und tödlich ist der Darmmilzbrand, bei dem Bakterien oder Sporen über die Nahrung in den Verdauungstrakt aufgenommen werden. Durch eine akute Entzündung des gesamten Verdauungssystems kommt es in Folge zu Bauchkrämpfen, blutigem Erbrechen und akuten Durchfällen.

Weniger gefährlich ist der Hautmilzbrand, der durch das Eindringen der Bakterien in kleine Hautverletzungen entsteht. Dies geschieht vor allem durch den Kontakt mit infizierten Tierprodukten, wie Fleisch oder Leder; weshalb der Hautmilzbrand lange Zeit als Krankheit der Gerber galt. Dabei bildeten sich innerhalb von wenigen Tagen Hautgeschwüre mit schwarzem Schorf. Der Hautmilzbrand lässt sich durch die schnelle Gabe von Antibiotikum jedoch gut behandeln und führt nur selten zum Tod.

Elefantenherde, Namibia, ImpfungElefanten, Antilopen und Nashörner infizieren sich vor allem an Wasserlöchern oder im aufgewühlten Sand durch die mitunter jahrzehntealten Sporen im Boden. Über deren Aufnahme erkranken sie an Darmmilzbrand. Das wirklich Gefährliche dieser Infektionskrankheit sind die Giftstoffe, die der Milzbranderreger im Organismus bildet. Diese Toxine schädigen die Blutgefäße bis in die kleinsten Kapillaren und führen zu inneren Blutungen. Die Bezeichnung Milzbrand kommt von den bräunlich-schwarzen Flecken der befallenen Milz, die durch diese inneren Blutungen entstehen.

Elefant, Namibia, Impfung, MarkerdartDamit den Elefanten dieses Schicksal nicht droht, haben wir knapp 60 Elefanten geimpft. Dies geschieht -wie bei den Antilopen- aus dem Helikopter, wobei der Pilot das Gebiet systematisch abfliegt und die Tiere in eine Richtung abtreibt. Außerdem werden sogenannte Markerdarts verwendet, um die bereits geimpften Tiere mit Tinte zu kennzeichnen.

Während ich jedoch irgendwo in Namibia in einem Helikopter saß, über Elefantenherden flog und diese wunderbaren Tiere zum ersten Mal in freier Wildbahn sah, muss ich ehrlich gesagt gestehen, habe ich den medizinischen Hintergrund und den Ablauf komplett vergessen. Ich habe einfach nur den Moment genossen!

Elefantenherde, Namibia, ImpfungInsbesondere hat mich die Matriarchin der Elefantenherde tief beeindruckt. Elefanten leben in einem sogenannten Matriarchat, was bedeutet, dass die Weibchen gemeinsam in einer Herde, während die Männchen getrennt als Einzelgänger leben. Da Elefanten Nomaden sind und kein bestimmtes Gebiet verteidigen, sind sie nicht auf die Hilfe der Männchen angewiesen. Außerdem haben auch die Elefantenweibchen eine Größe, die ihnen ermöglicht Feinde und Jäger abzuwehren und somit die Jungtiere zu schützen. Im Gegenzug dazu stellen die Männchen Futterkonkurrenz dar, welche zum Schutz des Nachwuchs vermieden wird. Innerhalb dieser Herde gibt es eine Leitkuh oder auch Matriarchin, die die Herde anführt, ihre Erfahrungen an die jüngeren Generationen weitergibt und bei Gefahren beschützt.

Elefanten, Matriarchin, Verteidigung, NamibiaIch hatte im Vorhinein nicht bedacht, dass unser Helikopter natürlich eine solche Gefahr für ihre Herde darstellen und sie sich diesem deswegen mutig entgegen stellen würde. Es war wirklich beeindruckend, wie sich die Matriarchin bedrohlich mit ihren Ohren wedelte, wild umher sprang und immer wieder ihre Vorderbeine vom Boden abhob, um ihre Größe zu demonstrieren.

In diesem Moment dachte ich wieder an die Geschichte von dem Elefanten, der als Babyelefant an einen Pflock gebunden wurde und sich nicht lösen konnte, sodass er es als ausgewachsener, starker Elefant gar nicht erst versuchte. Ebenso geht es tausenden Elefanten, die in Gefangenschaft von Zoos und Tierparks aufgewachsen sind. Sie wissen gar nicht um ihre ungeheure Kraft, die es ihnen leicht ermöglichen würde, auszubrechen.

Die Begegnung mit Elefanten in freier Wildbahn war so viel schöner, so viel natürlicher, so viel wilder und inspirierend für mein Leben…

„The most common way people give up their power is by thinking they don´t have any.“ Alice Walker

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