Hochbegabte Welpen

Sagt mal, bin ich eigentlich die einzige Welpenbesitzerin mit Augenringen unter den Augen, Kratzspuren an Armen und Möbeln oder Löchern in Shirts und Garten? Die einzige, die ein erhöhtes Aufkommen an Küchenrolle und Desinfektionsmittel hat? Mache ich alles falsch, weil mein Hund nicht immer hört, wenn ich ihn rufe? Ist bereits alles verloren, weil sie mich auch nach 5 Wochen immer noch zweimal nachts weckt?

Es kommt mir so vor, als ob unter Hunde- und vor allem Welpenbesitzern ein Wettkampf ausgebrochen ist: „Meiner kann schon Sitz, Platz, Puff und Peng. Und in die Wohnung hat er niiiie gemacht. Er hat auch nie in Finger, Füße oder Möbel gebissen. Nachts hat er vom ersten Tag an durchgeschlafen, an der Leine hat er nie gezogen und überhaupt ist er ja soooo pflegeleicht…“

Und dann noch diese ganzen YouTube-Videos von Hundetrainern, die mir mit einem freudigen Lächeln ganz unschuldig versprechen: „Mach das und dein Hund macht das!“ Also, ich fürchte, ich habe eine Körpersprache, wie ein Gummibaum oder wir sind einfach ein hoffnungsloser Fall!

Nein! Emma ist ein wundervoller Hund! Und ich möchte mich nicht schlecht fühlen, wenn sie mit fünfzehn Wochen etwas noch nicht kann oder etwas noch nicht perfekt klappt. 

Ich möchte sie voller Liebe ansehen, mich an ihren tapsigen Bewegungen erfreuen und ihr zuschauen, wie sie alles beschnuppert, beleckt oder auf Nahrungstauglichkeit testet. Ich möchte jeden Tag ein kleines bisschen weiter kommen und ich möchte mich freuen, wenn unsere Übungen Früchte tragen. Ich möchte sie mit einem Lächeln beobachten, wenn sie bei Regen durch Pfützen rennt und sich von oben bis unten einmatscht. Und ich möchte mich hart feiern, wenn mal etwas richtig gut klappt! Manchmal – manchmal eben auch nicht! Und das ist in Ordnung! Ich darf mit ihr und mir gnädig sein, alles immer wieder und wieder wiederholen und vertrauen, dass wir ein richtig gutes Team werden. 

 

In den nächsten Monaten und Jahren werden wir uns kennen lernen und aufeinander einspielen. Wir werden lernen, uns gegenseitig einzuschätzen und zu vertrauen. Ich werde herausfinden, was ihr Lieblingsspiel ist, ob sie gerne Dummys apportiert oder einfach durch die Landschaft streift. Ich werde herausfinden, wie sie auf fremde Hunde, Menschen oder Geräusche reagiert. Ich werde lernen, ihre Körpersprache und Geräusche zu deuten und ich werde herauszufinden, wann sie gerne kuschelt und wann sie gerne ihre Ruhe haben will. Nach und nach und Schritt für Schritt werden wir all das entdecken, eine Routine entwickeln und in einem Jahr von heute werde ich stolz auf unsere kleine Emma schauen und mich freuen, wie weit wir gekommen sind.

Und darauf freue ich mich! Auf all die Abenteuer, auf all die Höhepunkte, aber auch auf all die Momente, in denen wir richtig hart arbeiten müssen. Und bis dahin werde ich lernen zu vertrauen: Mir, meinem Gefühl und vor allem Emma! 


Und hier folgt eine Zusammenfassung meiner Erfahrungen der ersten gemeinsamen Wochen mit Emma:

  • Schlaft nochmal richtig aus, bevor der Welpe einzieht! So richtig! Bis 15 Uhr ungefähr… Oder einfach direkt 24 Stunden am Stück! Hauptsache lange.
  • Lasst euch nicht von Buchtiteln wie „So einfach geht Hundeerziehung“ veralbern, es ist schwierig und hart! Und manchmal auch verwirrend und trügerisch einfach. Dann lasst euch nicht von eurem Hund veralbern…
  • Wenn sie schläft, wünscht man sich, sie wäre wach. Und wenn sie wach ist, dass sie schläft!
  • Die wilden fünf Minuten, können auch mal laaaange zehn Minuten sein.
  • Wenn in Hundebüchern steht, man sollte einen Welpen nach dem Aufwachen, Essen oder Spielen sofort raustragen, dann meint das Buch auch SOFORT!
  • In der Ruhe liegt die Kraft! Oder wenn es dir egal ist, klappt es…
  • Ein Anti-Schlingnapf ist eine großartige Erfindung!
  • Wenn du Socken, Haus- oder Handschuhe, Küchenhandtücher oder Klopapier suchst, schau mal im Hundekörbchen vorbei.
  • Man macht mehr richtig, als man denkt.
  • Mit Welpen stellt man plötzlich fest, wie viel Müll überall rum liegt. Nein! Pfui! Aus! Nimm! Das! Nicht! In! Den! Mund! AUUUUUS! Ihh, war das ein Kaugummi?
  • Es ist nicht alles süß und putzig! Vieles ist frech, nervig, dreckig, nass, ekelig, ungewohnt, kalt…
  • Was der Hund einmal kann, kann er auch wieder vergessen. „Häh? Wir haben nie darüber geredet, dass ich nichts vom Tisch klauen darf. Ne, wirklich nicht!“
  • Mit einem Hundepups in der Nase, schmeckt jedes Essen merkwürdig…
  • Ob und mit welchem Elan eine Übung klappt, hängt vor allem von der Qualität eines Leckerchens ab.
  • Welpen sind wie kleine Kinder: „Ich will aber… Ich bin gar nicht müde… Das war ich nicht… Ich möchte aber JETZT spielen… Ich habe Hunger… Dann frag ich halt Papa… Och ne, darauf habe ich wirklich keine Lust… Ich muss mal… Ich habe immer noch Hunger… Ich muss schon wieder… Ich bin nicht weggelaufen; ich hab nur mal geguckt, was da hinten ist…“ Nicht auszudenken, wie es mir mal gehen wird, wenn sie morgens um vier Uhr nach Hause kommt, nach Alkohol riecht und bis mittags schläft. Was, wenn sie einen feschen Rüden mitbringt? Was soll ich dann sagen?

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