Ich sein

Ich, Handstand, Lara Kunst, Frausein, Anderssein, Verrücktsein

Geschlechtsorgane verkörpern mehr als Reproduktion; sie verkörpern das Bewusstsein weiblich bzw. männlich zu sein; sie verkörpern das eigene Geschlecht und dazu zu stehen; sie verkörpern Liebe, Beziehung und Sexualität; sie verkörpern Wunder, Wachstum und Nachwuchs; sie verkörpern Kraft, Stärke und Selbstbewusstsein, aber auch Verletzlichkeit, Emotionen und Intimität.

Und es geht um den Spagat zwischen Gleichberechtigung und gleichzeitig die spezifischen Besonderheiten von Mann und Frau zu erkennen und anzuerkennen. Gleichberechtigung bedeutet Gleichheit; und ich glaube da liegt das Problem. Männer und Frauen sind nicht gleich, genauso wenig wie Frauen oder Männer untereinander gleich sind. Wir alle sind einzigartig, besonders und anders und wollen und können nicht gleich behandelt werden. Was wir wollen ist eine gerechte, eine faire Behandlung; eine Behandlung, in der jeder die gleichen Chancen und Möglichkeiten bekommt und eine Behandlung, die unparteiisch ist.

Als Tiermedizinische/r Fachangestellte/r begegnet man im Arbeitsalltag vielen Vorurteilen. Dies beginnt bei fehlender Anerkennung für einen wirklich anspruchsvollen Beruf und endet bei fehlender Gleichberechtigung. So wurde zwar die Berufsbezeichnung von „Tierarzthelferin“ zum/zur beide Geschlechter umfassenden „Tiermedizinische/r Fachangestellte/r“ geändert, aber immer noch ergreifen überdurchschnittlich viele Frauen diesen Beruf. Doch warum ist das Berufsbild der Tiermedizinischen Fachangestellten ein typischer Frauenberuf? Fest steht, dass wohl kein Mann dauerhaft für so wenig Geld so hart arbeiten würde…

Während es beim Menschen zusammenfassend viel um Selbstinszenierung, Spaß und Liebe aber auch Selbstverwirklichung und Gleichberechtigung geht, dienen die Geschlechtsorgane im Tierreich vor allem der Fortpflanzung und der Vermehrung.

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Evolutionstechnisch gesehen, geht es bei der Fortpflanzung darum die eigene Erbinformation möglichst gut und vor allem möglichst häufig an die nächste Generation weiter zu geben, weswegen die wenigsten Tierarten in Monogamie leben. Um die Weibchen bei diesem Geschlechterkampf von sich und seinen Genen zu überzeugen, prahlen die Männchen mit üppigen Pfauenrädern, großartigen Geweihen, langen Stoßzähnen oder purer Kraft gegenüber Konkurrenten. Signale, die Kraft und Gesundheit ihres Trägers zeigen sollen, gibt es im Tierreich zuhauf. Die sekundären Geschlechtsmerkmale steigern die Attraktivität und Durchsetzungskraft gegenüber Konkurrenten, sind aber nicht unmittelbar für die Fortpflanzung notwendig.

Die primären Geschlechtsorgane dienen hingegen der Produktion der Gameten (= Keimzellen), der Sexualhormone und der geschlechtlichen Vereinigung beim Sexual- bzw. Deckakt. Man unterscheidet bei männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen zwischen inneren und äußeren Geschlechtsorganen.

männliches Geschlechtsorgan

Zu den äußeren männlichen Geschlechtsorganen gehören das Glied (= Penis), in dem Samen- und Harnwege gemeinsam verlaufen, und der Hodensack (= Skrotum). Zu den inneren männlichen Geschlechtsorganen zählt man die im Hodensack befindlichen Hoden (= Testis, Orchis) und Nebenhoden (= Epididymis), die Geschlechtsdrüsen und den Samenleiter, der in den Samenstrang eingebettet ist.

Die Hoden sind paarig angelegt und produzieren die Samenzellen und die männlichen Sexualhormone. Am dorsalen Rand liegen den Hoden die Nebenhoden auf, welche vor allem zum weiteren Transport und zur Speicherung der Samenzellen dienen. Etwa in der Mitte der Trächtigkeit beginnt der Abstieg der Hoden in den Hodensack über das Leitband des Hodens (= Gubernaculum). Durch die Verkürzung des Bandes unter Einfluss männlicher Geschlechtshormone, kommt es zum Abstieg der Hoden in den Hodensack, welche bei Rüden  im Alter von 6-8 Wochen abgeschlossen ist. Im Hodensack sind die Hoden aus dem warmen Bauchraum ausgelagert, da bei der hohen Körpertemperatur keine Samenreifung stattfinden kann.

Der an den Nebenhoden anschließende Samenleiter (= Ductus deferens) zieht gemeinsam mit Gefäßen und Nerven im Samenstrang (= Funiculus spermaticus) durch den Leistenkanal in den Bauchraum. Dort läuft er an den akzessorischen Geschlechtsdrüsen (Samenleiterampulle, Samenblasendrüse, Vorsteherdrüse = Prostata, Harnröhrenzwiebeldrüse) vorbei, die vor allem durch Sekretbildung zur Ernährung, Transport und Aktivierung der Spermien beitragen. Dieses Sekret wird in Kombination mit den Samenzellen Ejakulat genannt. Dabei ist das Ejakulat schwach alkalisch (pH-Wert: ca. 7,3) und neutralisiert dadurch beim Geschlechtsakt den sauren pH-Wert der Vagina.

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weibliches Geschlechtsorgan

Alle inneren weiblichen Geschlechtsorgane liegen geschützt im Becken; zu ihnen gehören die Eierstöcke (= Ovarien), die Eileiter (= Tuba uterina), die Gebärmutter (= Uterus) und die Scheide (= Vagina). Das äußere Geschlechtsorgan ist die Scham (= Vulva) mit Schamlippen und Klitoris.

Die Eierstöcke sind paarig angelegt und ihre Aufgabe ist neben der Produktion der weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron die Bereitstellung von befruchtungsfähigen Eizellen. Bereits bei der Geburt enthalten die Eierstöcke mehrere tausend Primärfollikel, die sich im weiblichen Zyklus zu Eizellen differenzieren. Mit dem Eisprung (= Ovulation) werden diese Freigegeben und in den Eileiter transportiert, dem als Ort der Befruchtung besondere Aufmerksamkeit zukommt.

Bei erfolgreicher Befruchtung wird die Eizelle über das Flimmerepithel des Eileiters in die Gebärmutter transportiert. Die Gebärmutter dient der Einnistung der befruchteten Eizelle (= Nidation), Entwicklung zum geburtsreifen Feten und dem Transport nach Außen. Schwein, Rind, Pferd und Hund besitzen eine zweihörnige Gebärmutter, die aus zwei Gebärmutterhörnern, dem Gebärmutterkörper (= Corpus) und dem Gebärmutterhals (= Cervix), welcher gebärmutterwärts mit dem inneren Muttermund beginnt und scheidenwärts mit dem äußeren Muttermund endet, besteht.

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Das eigene Geschlecht zu akzeptieren, darin eine positive Kraft wahrzunehmen und für sich zu definieren, was Frau- bzw. Mannsein im eigenen Lebenszusammenhang heißt, will auch in der heutigen Zeit nicht immer gelingen. Für mich bedeutet Frausein vor allem Ichsein; authentisch sein, berührbar sein, mich zu öffnen, mutig zu sein, zu mir zu stehen, voller Vertrauen zu sein, ehrlich zu sein, anders zu sein, natürlich zu sein… Und ich bin Tiermedizinische Fachangestellte! Aber ich bin nicht Tiermedizinische Fachangestellte, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich es für den großartigsten Beruf halte, den es gibt.

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