Little Five

Little Five, Sandgecko, NamibiaLittle Five

bunte Bank, Swakopmund, Namibia, AussichtNachdem ich in den letzten Wochen sehr viel Neues erlebt und gelernt haben, waren die letzten Tage weniger tierisch und noch weniger wild. Die Tatsachen, dass keine Aufträge anstanden und ich kurzzeitig aus meiner Unterkunft musste, stellten sich als ideale Urlaubsbedingungen heraus. Diesen verbrachte ich in Swakopmund und hatte die Möglichkeit das Meer, die Sonne und die Wüste in vollen Zügen zu genießen.

Swakopmund, Namibia, Aussicht, Woerman TowerSwakopmund ist eine kleine Stadt mit knapp 45.000 Einwohnern, liegt an den der Westküste Namibias am Meer und ist von der Namib-Wüste umgeben. Die Stadt ist im Gegensatz zu Windhoek sehr viel überschaubarer, geordneter und sauberer. Das Stadtbild ist geprägt von Palmen, Sand, Meer und alten Gebäuden, die während der deutschen Kolonialzeit entstanden sind. Es gibt viele gemütliche Cafés, kleine Läden, einen langen Strand und Ausflugsangebote in die Wüste oder das nahegelegene Walvis Bay. Ich hatte mir ein Bett in einem kleinen Hostel direkt am Meer gebucht und ideale Wettervoraussagen, also insgesamt die perfekten Urlaubsbedingungen.

Meer, Swakopmund, NamibiaWas ich allerdings unterschätzt hatte, war das Alleinsein. Die anderen -offensichtlich größtenteils deutsche- Touristen traten als Paare oder gleich ganze Familien auf, zeigten wenig Interesse an einer Alleinreisenden und so blieb ich alleine. Ich habe morgens alleine gefrühstückt, alleine meinen Tag geplant, bin alleine auf Ausflüge gefahren, alleine am Strand spazieren gegangen, habe alleine Mittag gegessen, alleine in einem Café gesessen, alleine die Stadt erkundet, alleine Abendbrot gegessen und alleine den Sonnenuntergang geschaut.

Jetty, Swakopmund, Namibia, SonnenuntergangEs ist gar nicht so leicht, mit dem Alleinsein klar zu kommen und sich trotzdem geliebt und wertgeschätzt zu fühlen. Ich hatte das Gefühl, ich werde nicht beachtet, ich werde nicht gebraucht, ich werde nicht geliebt und so wurde mein Selbstmitleid, aber auch mein Heimweh immer größer. Als ich dann am ersten Tag auch noch meine Kamera kaputt gemacht habe, war mein Unglück perfekt und so saß ich alleine in einem gemütlichen Café in einer wunderschönen Stadt bei Sonnenschein, Meer und Palmen und bemitleidete mich selber.

Dolphin Cruise, Walvis Bay, Delfin, NamibiaAber jaaa, irgendwann wurde auch ich mir der Ironie meiner Situation bewusst: Es gibt wohl Schlimmeres als Urlaub am Meer zu machen. Und spätestens während meiner wunderbaren Dolphin Cruise im Walvis Bay habe ich über mein ganzes Gesicht gegrinst, mir die Sonne auf mein Gesicht scheinen lassen, den Wind in meinen Haaren gespürt und die Delphine im Meer beobachtet.

Seehunde, Walvis Bay, NamibiaMit der Zeit habe die positiven Seiten des Alleinseins mehr und mehr für mich entdeckt und genießen können: die Freiheit, die Unabhängigkeit, die Ruhe, die Gedanken, die Zufriedenheit, die sich in mir breit machte. In den nächsten Tagen habe ich daher ganz bewusst ruhige Zeit für mich und aufregende Ausflüge miteinander abgewechselt.

Namib, Swakopmund, NamibiaEin wirkliches Highlight war die Living Dunes Safari, bei der ich in der Namib-Wüste die „Little Five“ entdecken konnte. Während in Namibia überall mit den „Big Five“ (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe,Leopard) geworben wird, packte mich diese Ankündigung, mal den kleinen Tieren Aufmerksamkeit zu zollen. Erwartungsgemäß verlief diese Safari viel ruhiger, bewusster und naturbezogener. Wir liefen in einer kleinen Gruppe durch die Wüste, lernten winzige Spuren zu lesen, bekamen ein Bewusstsein für kleine Veränderungen im Sand und mussten wirklich genau hinschauen, um die gut angepassten Tiere zu entdecken. Zu den „Little Five“ zählen Namibgecko, Eidechsen, Nebeltrinkerkäfer, Zwergpuffotter und Chameleon und wir bekamen alle zu sehen und zusätzlich jede Menge Informationen, wie diese Tiere sich an das Leben in der Wüste angepasst haben.

Meer, Wüste, Namib, Swakopmund, NamibiaDie Namib-Wüste, was übersetzt so viel wie „Ort, an dem Nichts ist“ bedeutet, erstreckt sich vom Norden Angolas über den gesamten Küstenbereich Namibias bis zum Oranje-River an der Grenze zu Südafrika. Damit ist sie knapp 2.000km lang und umfasst eine Fläche von 30.000km2. Die Namib-Wüste ist oft jahrzehntelangen Trockenzeiten ausgesetzt und besitzt eine durchschnittliche Niederschlagsmenge von 20mm/m2 im Jahr. Im Vergleich dazu regnete es von Juli 2017 bis Juli 2018 in Deutschland durchschnittlich 70l/m2. Sandstürme, Trockenheit und Temperaturschwankungen von bis zu 70°C machen sie eigentlich zu keinem idealen Lebensbereich für Pflanzen und Tiere.

Meer, Wüste, Namib, Swakopmund, NamibiaIn der Namib sind daher die dichten Nebelschleier, die an 200 Tagen über der Wüste hängen, überlebenswichtig. Sie bilden sich, wenn die bis zu 60°C heiße Wüstenluft auf das kalte Wasser der Benguelastroms trifft und kondensiert. Durch die Feuchtigkeit des Nebels können die Lebewesen der Namib überleben und haben wirklich bemerkenswerte Überlebensstrategien entwickelt.

Der Nebeltrinkerkäfer, der ausschließlich in der Namib vorkommt, hat beispielsweise die Fähigkeit mit der eigenen Körperoberfläche Wasser aus diesen Nebelschleiern zu gewinnen. Dazu balanciert er in einem Kopfstand auf den Dünen, um auf seinem unebenen Körper winzige Tröpfchen Feuchtigkeit des Nebels aufzufangen. Über eine Rinne zwischen seinen Flügeln fließt das Wasser direkt in seinen Mund. Er wird daher auch „Kopfstand-Käfer“ genannt.

Namib-Sandgecko, Namib, Wüste, NamibiaEbenso faszinierend ist der Namib-Sandgecko. Er rennt in einer enormen Geschwindigkeit über den bis zu 70°C heißen Wüstensand und wechselt dabei ständig seine Standbeine, was einem Tanz ähnelt. Um in der Hitze keine zu warme Körpertemperatur zu entwickeln, ist der Sandgecko nahezu durchsichtig. Organe und Körperflüssigkeiten sind gut sichtbar und machen sein farbliches Erscheinungsbild aus. Aufgrund kleiner Schwimmhäute zwischen den Zehen, kann er sich innerhalb von Sekunden in den Sand eingraben und für Abkühlung sorgen.

Zwergpuffotter, Namib, Wüste, NamibiaDiese Strategie hat auch die Zwergpuffotter, eine kleine bis zu 30cm große Schlange. Tagsüber vergräbt sie sich im Sand, wobei Augen, Nasenöffnung und Schwanzspitze aus dem Sand ragen. Die Augen sind auf dem Kopf der Schlange nach oben gerichtet und ermöglichen so ein möglichst tiefes Vergraben bei gleichzeitig gutem Überblick. Außerdem ist der gesamte Körper von kleinen, hellen Schuppen bedeckt, die kaum vom Sand zu unterscheiden sind, sodass die Schlange optimal getarnt ist. Bei Annäherung eines Beutetieres bewegt die Zwergpuffotter ihre Schwanzspitze hektisch hin und her, um ein Insekt nachzuahmen. So wird das Beutetier in Reichweite gelockt und schließlich gefressen. Nachts legt sie sich hingegen auf den Sand ab, um auf ihrer rauen Körperoberfläche Tau zu sammeln, welchen sie ablecken kann.

Leuchtturm, Swakopmund, Namibia

Diese genialen Überlebensstrategien der Tiere gewinnen in Anbetracht des Klimawandels neue Bedeutungen. 2005 erbaute die Organisation „FogQuest“ in Chile am Rande der Atacama-Wüste bereits eine Wassergewinnungsanlage nach dem Vorbild des Nebeltrinkerkäfers. Dazu wurden spezielle Netze entwickelt, an denen der Nebel kondensiert und in einem Wasserbecken gesammelt wird, um die Bevölkerung mit Wasser zu versorgen. Auch die Architektur arbeitet an modernen Häusern, die sich Wassergewinnungsstrategien dieser Tiere zum Vorbild nimmt.

Unser Tourguide schloss mit einem wirklich schönen Satz: „Jedes Lebewesen ist wunderbar und einzigartig. Es ist perfekt für die Umgebung, in der es lebt.“ Ich finde es wirklich immer wieder beeindruckend, welche Wege, Ausprägungen und Erscheinungsformen die Natur und ihre Lebewesen gefunden haben, um ein Überleben zu ermöglichen und garantieren. Ich glaube, dass es für den Menschen noch von großer Bedeutung wird, sich diese Fähigkeit anzueignen oder zumindest abzuschauen, um in den kommenden Naturveränderungen zu überstehen.

2 Kommentare

  1. Antje Wieland

    Liebe Lara, Leider hat es letztens nicht geklappt meinen Kommentar zu veröffentlichen daher starte ich heute noch einen zweiten Versuch. Swakopmund sieht nach einem wirklich schönen kleinen Städtchen aus und dein Bericht über die Little Five war beeindruckend! Es war bestimmt interessant einen solchen Ausflug in der Wüste zu machen ☺. Es freut mich für dich, dass du es geschafft hast, dem Alleine sein etwas abzugewinnen. Das ist ja manchmal ganz schön schwierig, gerade dann, wenn man es nicht ganz freiwillig entschieden hat, sondern sich mit der Situation abfinden muss. Aber allein bist du sowieso nicht. Wir sind vielleicht nicht da vor Ort, aber ich bin mir sicher, dass neben mir noch viele andere nach wie vor gespannt deine Beiträge verfolgen und dein Leben in Afrika gebannt mitverfolgen und bei jedem deiner emotionalen,berührenden Beiträge mit dir fühlen! 😘 Lass dir gut gehen und fühle dich ganz lieb gegrüßt von Antje!

    • Liebe Antje, ich muss die Kommentare immer erst freigeben, bevor sie veröffentlicht werden. So vermeide ich Spam 😉 Aber du bist kein Spam! Und deine Nachricht ist ganz wunderbar lieb und herzlich <3 Ich danke dir sehr für deine lieben Worte und dein Für-Mich-Dasein :)) Es ist so schön zu wissen, dass Zuhause ganz wunderbare Freunde auf mich warten :-* ganz viel Liebe aus Namibia zu dir!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.