Nashörner

Nashörner, Namibia

Nashorn, NamibiaNashörner sind so kraftvolle Tiere, so groß, so massiv. Es ist unbeschreiblich ihnen gegenüber zu stehen, sie laufen zu sehen und dabei festzustellen, dass sie trotz ihres enormen Gewichts ganz leicht schweben zu scheinen. Nashörner sind so anmutig, ruhig und sanft und strahlen eine enorme Ruhe und stille Wärme aus. Ihre dicke Haut fühlt sich wunderbar rau, aber doch irgendwie weich an und sie erinnern mit ihrem ganzen Auftreten an Dinosaurier, an Urzeit.

Nashörner sind scheue Tiere, die menschliche Nähe meiden und schnell eingeschüchtert sind. Sie sind Pflanzenfresser und fast könnte der Eindruck entstehen, sie wissen gar nicht über ihre enorme Kraft, Masse und Geschwindigkeit. Doch hat man einmal ihren Unmut erweckt, können sie ihre Stärken sehr gezielt einsetzen und wirklich gefährlich werden. In vielen Beschreibungen von Nashörnern und ihrem Lebensraum liest man, sie hätten keinen natürlichen Feind. Doch leider stimmt dies nicht: So wie viele andere Wildtiere leiden Nashörner stark unter dem Menschen, insbesondere unter der Wilderei und dem illegalen Handel mit ihrem Horn.

Das Horn besteht -nicht wie häufig angenommen aus Elfenbein- sondern aus Keratin, ähnlich wie bei Fingernägeln und Haaren, und wächst auch bei Nashörnern ein Leben lang. Den Nashörnern wird leider zum Verhängnis, dass ihrem Horn in Teilen Asiens fiebersenkende, entgiftende, krampflösende und neuerdings auch krebsheilende Wirkung zugesprochen wird. Medizinisch belegt, sind diese Auswirkungen jedoch nicht. Und dennoch im Jahr 2017 wurde auf dem Schwarzmarkt der beiden Hauptabnehmeländer Vietnam und China bis zu 45.000$ pro kg Horn geboten, sodass es sogar wertvoller als Gold gehandelt wird. Zur Einschätzung des illegalen Marktwertes eines Tieres: Das vordere, größere Horn eines Nashorns wiegt in etwa 3kg. Aufgrund dieses hohen Marktwertes entwickelte sich das Nashornpulver in China und Vietnam zu einem Status- und sogar Investitionsobjekt. Und diese Entwicklung wird von der Wildtiermafia mit einem komplexen Netzwerk aus Wilderern, Schmugglern, Händlern und Unterstützern ausgenutzt.

Landschaft Namibia2015 wurden in Afrika 1342 Nashörner gewildert, das macht 3 bis 4 tote Nashörner pro Tag. Und dass obwohl Nashörner weltweit vom Aussterben bedroht sind. Aktuelle Zahlen besagen, dass es noch knapp 20.170 Breitmaul-, 4.880 Spitzmaul-, 2.575 Panzer-, 175 Sumatra- und 40 Java-Nashörner gibt (Stand: 2015, Quelle: Statista).

Insofern haben die Tiere einen enormen Marktwert, der aufgrund des Washingtoner Artenschutzübereinkommens allerdings nicht legal gehandelt wird. Demnach ist der internationale Handel mit Nashornhorn verboten, um die Nashörner vor dem Aussterben zu schützen, den Handel zu erschweren und mit drastischen Strafen zu belegen. Doch das Verbot hat auch zur Folge, dass es noch begehrter, seltener und somit wertvoller wird, was den Anreiz für Wilddiebe erhöht und die Haltung für Farmer erschwert.

Denn mittlerweile lebt der Großteil der Nashörner in eingezäunten und bewachten Reservaten, um dem Aussterben entgegen zu wirken. Doch ein Nashorn ist sowohl in der Anschaffung, als auch in der notwendigen Wilddiebabwehr sehr teuer und auch gefährlich. In Südafrika müssen mittlerweile nicht mehr nur die Nashörner, sondern auch deren Besitzer um ihr Leben fürchten.

Nashornschutz ist extrem teuer und jeder Tourist erwirtschaftet Geld zur Finanzierung dieser Maßnahmen. Allerdings werben namibische Farm- und Lodgebesitzer nicht mehr mit ihren Nashörnern, löschen jegliche Informationen über die bei ihnen lebenden Nashörner, Touristen werden gebeten das automatische GPS an Kameras und Handys auszuschalten, damit die Bilder später nicht ausgelesen werden können und in einigen Reservaten werden gar keine Nashornsafaris mehr angeboten, weil Wilderer sich als Touristen tarnen. So groß ist die Angst vor Wilderern.

Sonne NamibiaIn den vergangenen Wochen habe ich diese Angst immer wieder direkt miterlebt; Wilderei ist ein großes Thema für alle Farmer, die sich mit eigenen Patrouillen tagsüber und nachts zur Wehr setzen. Doch leider reicht dies nicht immer: Vor wenigen Tagen wurde wir zu einer Farm gerufen, auf der es einen Angriff auf Nashörner von Wilderern gab. Aufgefallen ist dies, durch eine blutige Nashornspur, auf der deutlich Spuren von Menschen sichtbar waren, die das Tier nachts über Stunden gejagt haben müssen. Leider ist davon auszugehen, dass Insider gehandelt haben, die sich auf der Farm sehr gut auskannten und genau wussten, dass sich dort Nashörner aufhalten. Zum Glück endete unser Einsatz ohne notwendige Behandlung. Nachdem alle Nashörner aus dem Helikopter begutachtet wurden, konnte lediglich ein nicht behandlungswürdiger Streifschuss bei einem der Tiere festgestellt werden.

Doch die Angst der Farmbesitzer geht mittlerweile so weit, dass viele ihre Nashörner professionell vom Tierarzt enthornen lassen, um den Anreiz für Wilddiebe zu nehmen. Denn Nashörner sterben nicht durch das reine Entfernen des Horns, sondern daran, dass die Wilderer es zunächst töten, um in Ruhe an das Horn zu gelangen. Bei der Enthornung durch den Tierarzt, wird das Nashorn kurzzeitig sediert, während der Enthornung narkosetechnisch überwacht und anschließend wieder aufgeweckt.

Und im Anschluss stellen sich folgende Fragen: Wohin mit den Hörnern? Wie kann man sie sicher verwahren ohne wieder Ziel von Angriffen zu werden? Der legale Markt zum Verkauf der Hörner ist gesperrt, was die Arbeit der Wilderer erschweren soll, doch so sitzen auch die Farmbesitzer auf enormen Summen, müssen ihre Nashörner für sehr viel Geld schützen, können das Horn aber nicht verkaufen, um das Geld zum Schutz der Tiere zu nutzen.

Baum, NamibiaMir fällt es wirklich schwer, mich bei diesem Thema auf eine Richtung, eine Handlungsweise festzulegen. Aber ich bin sehr glücklich, dass mir durch meine Arbeit in Namibia die Möglichkeit geboten wird, aktiv zum Schutz der Nashörner beizutragen: Um die Nashörner vor der Wilderei zu schützen, werden einige aus Namibia in andere afrikanische Länder umgesiedelt. Dies führt dazu, dass der Lebensraum breiter auf Afrika verteilt wird, um das Risiko der Verfolgung zu verringern. Außerdem hofft man, die Population wieder vergrößern zu können.

Ich habe mir bereits einige Berichte, Bilder und Videos zu Umsiedlungen von Nashörnern angeschaut und bin sehr gespannt, wie dies tatsächlich ablaufen wird. Mit einer Umsiedlung hängt sehr viel Vorbereitung, Kraft, Versorgung, Zeitdruck und Anspannung zusammen. Es muss wahnsinnig schön sein, die Tiere nach den ganzen Strapazen des Transports in ihrem neuen Zuhause wieder frei zu lassen.

„Du weißt…meine Blume…ich bin für sie verantwortlich! Und sie ist so schwach! Und sie ist so kindlich. Sie hat vier Dornen, die nicht taugen, sie gegen die Welt zu schützen…“ aus Der Kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.