Nashorn-Nachtrag

Aufgrund aktueller Vorkommnisse möchte ich gerne einen Nachtrag zu meinem letzten Nashorneintrag veröffentlichen.

Denn Ende letzter Woche bot sich mir der traurige Höhepunkt einer immer wieder andauernden Nashornjagd. Innerhalb von zwei Wochen waren dreimal Wilderer auf einer Farm, um Jagd auf deren Nashörner zu machen und verletzten beim letzten Mal eines recht schwer. So wurden wir einerseits zur Behandlung des angeschossenen Nashorns gerufen und andererseits, um alle Nashörner zu enthornen und sie dadurch uninteressant für die Wilderer zu machen.

Um ein Nashorn enthornen zu dürfen, müssen zahlreiche Anträge bei verschiedenen Ämtern, der Polizei und Tierschutzorganisationen gestellt werden. Außerdem muss beim Enthornen jeweils ein Vertreter der eben genannten Organisationen anwesend sein, um den ordnungsgemäßen Ablauf zu überwachen. So werden den Nashörnern verschiedene Proben (Blut, Horn, Haare, Haut) entnommen, um diese in einer zentralen Verwaltungsstelle in Südafrika zu erfassen und zu registrieren.

Aufgrund der Dringlichkeit und der enormen Gefahr für die Tiere dieser Farm wurde das Verfahren beschleunigt und im Eilverfahren genehmigt. Außerdem waren die Polizei und ein Vertreter der Tierschutzorganisation anwesend, um die Enthornung zu überwachen.

Zum Enthornen werden die Nashörner sediert. Dazu werden sie mit den entsprechenden Sedationsmitteln aus dem Helikopter abgeschossen sind nach wenigen Minuten so ruhig, dass man sich ihnen langsam nähern kann. Zunächst wird ihnen eine Maske über die Augen gelegt und anschließend unter enormem Kraftaufwand die Beine weggezogen, um sie auf die Seite zu legen.
In diesem Moment, als diese wunderschönen, kraftvollen Tiere auf der Seite lagen und ihnen mit einer Motorsäge die Hörner entfernt wurden, wurde mir auf unfassbar schmerzliche Art und Weise bewusst, wie schlimm der Mensch ist. Es tat mir so weh mit anzusehen, was diese Nashörner über sich ergehen lassen müssen, damit sie nicht gewildert werden, damit sie leben können und nicht Opfer von grausamen Menschen und einem ganzen System werden: Wilderer, Schmuggler, Händler, Unterstützer und Käufer, die aus unsinnigen Prestigegründen Tiere töten.

Am Ende der mit Motorsäge durchgeführten Enthornung steht ein Nashorn auf, welches wohl kein Nashorn mehr ist: Ein Nashorn ohne Horn auf der Nase. Aber immerhin lebendig! Und obwohl mich die Enthornungsprozedur emotional sehr berührt hat, habe ich am Ende einen kleinen Triumph gespürt. Diese Tiere wurden enthornt und uninteressant für Wilderer gemacht, bevor es zu spät war, bevor sie tot und ihr Horn auf den Markt kam. Diese Tiere sehen zwar nicht mehr vollständig aus, aber sie sind frei und kraftvoll.

Und so hatte ich als ich mitten in Namibia am Steuer eines Jeeps saß, über mir eine Helikopter flog und ich den Anweisungen aus dem Funkgerät folgte, diesen magischen Moment: Diesen Moment, indem ich mich vollständig frei und lebendig fühlte, zutiefst glücklich und komplett anwesend im Hier und Jetzt, ohne Zwänge, ohne Zweifel und mit einem Kribbeln im ganzen Körper und großen Strahlen im Herzen. Ich war so glücklich, denn ich bin in Afrika, ich lebe meinen Traum, ich arbeite mit Wildtieren, ich kann mich für diese einsetzen und ich kann etwas verändern. In diesem Moment war ich so glücklich und wusste: Ich kann alles!

Und ich möchte so gerne auch dich dazu motivieren, deinen Träumen zu folgen und sie umzusetzen. Fang am Besten heute damit an, denn die Welt braucht dich!

4 Kommentare

  1. Antje Wieland

    Hallo Lara, das ist ein sehr berührender Beitrag. Die armen Nashörner! Aber immerhin können Sie so weiter leben. Ich kann mir gut vorstellen wie sich das anfühlen muss bei diesem furchtbaren Spektakel dabei zu sein. Und es freut mich sehr zu lesen, dass du dennoch dieses tolle Hochgefühl hattest und stolz bemerken konntest dass du etwas bewegen kannst in der Welt ☺. Ich hoffe sehr dass es dir auch insgesamt gut geht und du dich wohlfühlst. Aber laut deinen Beiträgen scheint das ja der Fall zu sein 👍. Ganz liebe Grüße von Antje

    • Liebe Antje, vielen Dank für deinen Kommentar :-* Die Arbeit mit den Nashörnern war wirklich sehr berührend und es ist wunderbar solch neue Erfahrungen machen zu dürfen. Ansonsten geht es mir auch sehr gut! Ich wurde ganz lieb und herzlich aufgenommen :))

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