Wildlife Immobilization

Wildlife, Antilope, Immobilization, Namibia

Die meisten Einsätze, zu denen wir gerufen werden, beinhalten die „Wildlife Immobilization“. Die chemische Immobilisation oder auch Sedierung ist ein teure und risikoreiche Maßnahme und wird durchgeführt, um Wildtiere in Ruhe untersuchen, behandeln oder umsiedeln zu können. Umsiedeln umfasst das Umziehen in ein anderes Lager innerhalb der eigenen Farm oder auch das Verladen auf Transporter und der anschließende Verkauf an andere Farmen.

Hubschrauber, Namibia, OutbackDie Wildtiere werden meistens aus dem Helikopter mit den Sedationsmitteln abgeschossen, bis zum Niederlegen verfolgt und anschließend vor Ort behandelt oder durch Bodenteams eingesammelt. Da wilde Tiere in dieser sehr stressigen Situation, um ihr Leben kämpfen, werden sehr potente Opioide (Thianil oder Fentanyl) verwendet, um das Tier schnell zu kontrollieren und Stress und Verletzungen zu vermeiden. Sowohl Thianil als auch Fentanyl sind sehr teuer und für den Menschen hochtödlich.

Antilope, Namibia, Wildlife, ImmobilizationDie meisten Tiere zeigen erste Symptome zwei Minuten nach der Injektion und legen sich nach drei bis vier Minuten nieder. Doch in diesem Zustand sind sie sehr schreckhaft und leicht weckbar. Daher muss man sich ihnen langsam nähern und sie schnell unter Kontrolle kriegen. Ein sediertes Tier kann gut hören und sehen, sodass es wichtig ist laute Geräusche gering zu halten und zunächst eine Augenmaske überzuziehen. Nashörner legen sich beispielsweise nicht von selber nieder, sondern verfallen in einen taumelnden Gang und bleiben schließlich stehen. Ihnen müssen unter einem enormen Kraftaufwand die Beine weggezogen werden. Antilopen werden fixiert, indem eine Person diese an den Hörnern festhält und den Kopf zwischen den Knien stabilisiert. Außerdem werden bei geraden Hörnern Plastikrohre über diese gestreift, um die Verletzungsgefahr zu minimieren. Im Anschluss werden die Antilopen zunächst auf eine Matte gebracht, wobei die Vorderbeine in einer Lasche verschwinden und das Ende der Matte über das Tier gelegt wird. So kann es gut auf den Pickup verladen werden und dadurch, dass die Matte die Beine begrenzt, hat es keine Chance zu treten und die Menschen in der Umgebung zu verletzen.

Nashorn, Namibia, Wildlife, ImmobilizationDa die verschiedenen Tierarten unterschiedliche Verdauungsapparate haben, müssen diese in unterschiedlicher Art und Weise transportiert und gelagert werden. Während monogastrische Tiere, wie Elefant, Nashorn und Löwe, lateral (= seitlich) gelagert werden, so liegen Wiederkäuer, zu denen die Antilopen gehören, in Brust-/Bauchlage. Der Kopf sollte hochgehalten und die Nase in Richtung Boden gedrückt werden. Dies dient dazu Regurgitation (= Hochwürgen) von Futter und die anschließende Aspiration (= Einatmung) zu vermeiden.

Während der Sedierung erhalten die Tiere meist Vitamine, Entwurmungsmittel, Mittel gegen Zecken und Impfungen, wie Tollwut oder Milzbrand. Außerdem können die Tiere Ohrmarken erhalten oder gechippt werden. Ist die Behandlung abgeschlossen, wird das Tier entweder wieder abgeladen, in den Laster verladen oder in ein neues Lager gebracht. Es erhält schließlich ein Gegenmittel, um den Effekt der Beruhigungsmittel zu revidieren und durch die intravenöse Injektion stehen die Tiere innerhalb von einer halben Minute wieder.

Insgesamt ist die Wildlife Immobilization eine Arbeit, die sehr schnell gehen muss und daher sehr hektisch ist. Denn die Tiere sollen möglichst kurz sediert sein. Werden viele Tiere hintereinander sediert, steht man häufig während der Fahrt hinten auf dem Pickup und zieht bereits die Injektionen (Beruhigungsmittel, Impfungen, Vitamine, Entwurmung, Antidote) für das nächste Tier auf.

Antilope, Namibia, Wildlife, ImmobilizationLetzte Woche waren wir beispielsweise auf einer Farm, um innerhalb von zwei Tagen 29 Kudu-Kühe, 3 Kudu-Bullen und einen Oryx-Bullen zum Verkauf zu verladen. Dies erfolgte in einer Art Fließbandarbeit: Während der Helikopter von oben die Tiere suchte und abschoss, waren parallel zwei Bodenteams unterwegs, um diese schließlich einzusammeln und zu den Lastern zu bringen. Dort haben wir sie mit den wichtigsten Injektionen versorgt, einen Trächtigkeitsultraschall vorgenommen, verladen und schließlich wieder aufgeweckt. So waren die Tiere nicht länger als 15 Minuten sediert.

Antilope, Namibia, Wildlife, ImmobilizationVor ein paar Tagen waren wir auf einer anderen Farm, um zunächst einige kleine Springböcke innerhalb der Farm zwischen verschiedenen Lagern umzusiedeln und dann eine alte Oryx-Kuh zu untersuchen, die in den letzten Wochen stark abgenommen hat. Es stellte sich heraus, dass ihre Zähne aufgrund ihres vorangeschrittenen Alters bereits stark abgeschliffen und nicht mehr besonders geeignet zum Kauen waren. Insofern sammelte sich das ungekaute Futter in einer Backentasche und führte zu einer lokalen Infektion. Wir haben sie in ein „Senioren-Camp“ umgezogen, in dem es vermehrt aufgelöste Pellets zum Essen gibt.

Was ich an dieser Wildtierarbeit wirklich liebe, ist das Natürliche. Ich bin den ganzen Tag draußen, folge den Anweisungen aus dem Helikopter, renne durch den namibischen Busch, stehe auf der Ladefläche eines Pickups, überwache die Atmung der Tiere, injiziere die notwendigen Medikamente und da man schnell funktionieren muss und alles etwas robuster ist, lernt man unglaublich viel. Während ich mich früher oft mit dem Legen von Braunülen geplagt habe, spritze ich nun auf einem wackelnden Pickup bei voller Fahrt intravenös, achte im Augenwinkel auf die Atmung und bin gedanklich immer schon zwei Schritte weiter. Während in meinem früheren Arbeitsalltag das nüchterne Tier vor einer Sedierung liebevoll untersucht wurde, geht es jetzt vor allem um Effizienz und Schnelligkeit, was teilweise recht hart und schonungslos wirkt. Während früher ein Katzenkratzer oder Hundebiss das Schlimmste war, was mir passieren konnte, so mache ich mir jetzt am Liebsten keine Gedanken darüber, wie es wäre von einer Antilope getreten oder deren Hörnern aufgespießt zu werden. Und doch ist genau das, was ich liebe: den Nervenkitzel und die Schnelligkeit bei der Arbeit. Ich werde stark gefordert und lerne unglaublich viel. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie dankbar ich für all diese Erfahrungen bin!
Antilope, Namibia, Wildlife, ImmobilizationAntilope, Namibia, Wildlife, Immobilization

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.